Was ist Fine-Art Fotografie?

Hey, starke Mama!

Heute möchte ich eine tolle Frage beantworten, die ich bereits öfter gefragt wurde: “Was ist Fine-Art Fotografie?”. Einige können mit dem Begriff Fine-Art Fotografie gar nichts anfangen, weil sie ihn noch nie gehört haben. Manche haben bereits davon gehört, ihnen ist aber unklar, was genau gemeint ist. Wieder andere haben mehr als eine Definition gehört und sind verwirrt.

Das Geheimnis? Es gibt keine konkrete und feste Definition von Fine-Art Fotografie! Und es variiert von Betrachter zu Betrachter. Es gibt aber einige Dinge, die in fast allen Definitionen übereinstimmen. Und genau darum möchte ich dir gerne erklären, was es für mich persönlich bedeutet. Denn nur so wird dir klar, was ICH meine, wenn ich von Fine-Art Fotografie spreche. 😉

Ist Fine-Art Fotografie ein Bildstil?

Nein. Nicht im Geringsten. Fine-Art Fotografie hat für mich rein gar nichts mit einem Bildstil zu tun. Genauer gesagt ist das der Grund, warum ich schwarz-weiß Fotos mache. Ebenfalls ein persönlicher Versuch, sich der Fine-Art Fotografie anzunähern, ist das Fotoprojekt im Rahmen meiner Blogparade #mütend. Wenn wir von Bildstil sprechen, dann meinen wir natürlich Dinge wie Kontrast, Farbe, Bildbearbeitung, Effekte wie Crossentwicklung und Co. Der Punkt ist hier aber folgender: Darum geht es gar nicht. Es ist so derart irrelevant für Fine-Art Fotografie, dass ich mich für schwarz-weiß entschieden habe. Weil schwarz-weiß das letzte Fünkchen ausradiert, dass zu viel sein könnte. Schwarz-Weiß reduziert nahezu alles, was ein Bildstil enthält auf den kleinsten Nenner. Ich verhindere damit ganz konkret, dass meine Bildbearbeitung oder die Farbigkeit des Bildes vom INHALT ablenken kann. Jedoch findest du auch viele Fine-Art Fotografen, die Farbfotos lieben. Du siehst hier also: kein bestimmter, vorgefertigter Bildstil.

Ist Fine-Art Fotografie auf bestimmte Themen fixiert?

Nein – auch das nicht. Es gibt Kriegsfotografen, wie beispielsweise James Nachtwey, die Kriegsthemen auf diese Weise fotografieren. Mein früherer Berufsschullehrer Helmut Hirler fotografiert Landschaften. Im selben Genre ist auch der weltberühmte Ansel Adams zu Hause. Viele Kunstprojekte sind Fine-Art Fotografie. Gut zu sehen bei Sichtlich Mensch von Andreas Reiner. Auch Porträts finden Platz in der Fine-Art Fotografie genauso wie Tierfotografie, Streetfotografie und vieles mehr. Im Genre des Porträts ist Annie Leibovitz weltweit bekannt. Fine-Art Fotografie findest du auch im Sektor des Selbstporträts. Eine recht berühmte Vertreterin in diesem Genre ist Danny Bittencourt. Vor allem auch deshalb, weil sie eine der wenigen Selbstporträt-Künstlerinnen ist, die auf manuelle Nachbearbeitung ihrer Fotos setzt. Das macht ihre Arbeit absolut einzigartig. Im Business- und Industriebereich ist sie nur selten zu finden, da es hier darum geht, eine konkrete Konzeption die zur Marke passt, umzusetzen. Warum sich das nicht unbedingt verträgt, liest du weiter unten.

Fine-Art Fotografie und Porträts

Da ich mich auf Porträts von Müttern und ihren Familien spezialisiert habe, kann ich aus diesem Bereich am meisten berichten. Wenn ich von Porträts in Zusammenhang mit Fine-Art Fotografie spreche, dann geht es mir persönlich um zwei Dinge: Um den Prozess dahinter und um das Ergebnis. Ich fange mit dem Ergebnis an. Das ist einfacher.

Um das Ergebnis zu beschreiben, möchte ich gerne zitieren:

“Jedes Portrait, das mit Gefühl gemalt wurde, ist ein Portrait
des Künstlers, nicht dessen, der ihm dafür gesessen hat.”

Oscar Wilde

Und genau das ist Fine-Art Fotografie. Denn was für Maler gilt, gilt auch für mich als Fotografin. Fine-Art Fotografie bedeutet für mich, dass ich mich für das, was ich da fotografiere, aufrichtig interessiere. Ich möchte jemanden fotografieren und zwar so, wie ich ihn sehe. Also sorge ich dafür, dass ich die Selbstinszenierung entweder von vornherein nicht zulasse oder so weit wie möglich zerstöre. Warum? Weil es um DICH geht. Darum, wer und wie du wirklich bist! Es ist MEIN Job, dass wahrzunehmen, zu sehen und es in “Bild” zu übersetzen. NICHT deiner! Es geht also nicht darum, wer du dir wünschst du sein, sondern darum, wer du tatsächlich bist. Und ich bin diejenige, die es in Bildsprache packt.

Exakt das ist es, was Oscar Wilde hier gesagt hat. Es geht darum, dich dazu zu bringen, dich so zu verhalten und zu geben, wie du bist. Mit Inszenierungen ist das nicht erreichbar. Eine Inszenierung ist und bleibt eine Inszenierung – und damit bleibt sie auch unnatürlich, oberflächlich und ohne Inhalt.

Fine-Art Fotografie im Bereich der Porträtfotografie verlangt genau darum viel Gefühl von mir ab. Mitgefühl, Feingefühl, Taktgefühl. Ein Gefühl dafür, wie ein Mensch tickt. Wie der konkrete Mensch vor mir tickt! Es geht darum, mit einem Bild Tiefgang und Emotionen zu provozieren.

Mein Ziel als Fotografin ist es, dass DU als externer Betrachter von meinem Bild berührt wirst. Das du eben nicht oberflächlich drüber guckst. Sondern, dass du stecken bleibst, vielleicht zum Nachdenken angeregt wirst oder zumindest ein Gefühl für die abgebildete Person bekommst. Ich will, dass du den Charakter des Menschen siehst! Aus meiner Sicht ist das die Essenz, die gute Bilder ausmacht.

Magazin-Fotos: Ist das Fine-Art Fotografie?

Nein. Sie ist in den meisten Fällen das exakte Gegenteil. Wahrlich, sie sehen meisterhaft aus! Oft stark bearbeitet und toll inszeniert. Aber genau das ist der exakte Gegenpol zur Fine-Art Fotografie. In der Fine-Art Fotografie geht es nicht darum, dich so schön wie möglich abzubilden, sondern darum, ein natürliches Ergebnis zu erzielen und DICH so zu zeigen wie du BIST. Es ist wie eine gewöhnlich aussehende Verpackung, die die besten Pralinen enthält.

In Magazinen siehst du das Gegenteil. Es geht hier darum, eine tolle Szene zu entwickeln und zu inszenieren. Etwas vorzutäuschen, dass in der Realität überhaupt nicht vorhanden ist. Das gilt auch fürs Model. Die Aufgabe des Models ist in diesem Rahmen genau das, was kein Fine-Art-Fotograf will: Selbstinszenierung. Abliefern! Posen! Und das bitte auch noch in einer guten Geschwindigkeit. Die Aufgabe des Fotografen? Abfotografieren, was das Model an Selbstinszenierung liefert! Das fertige Ergebnis hat also so ziemlich gar nichts mit der abgebildeten Person zu tun und ist eine oberflächliche Maskerade. Es ist eine wahnsinnig tolle Verpackung, aber halt ohne Inhalt.

Ich kenne nur einen Fine-Art-Fotografen, der mit professionellen Models gearbeitet hat und Fashion fotografiert hat. Ich bin mir sicher, die ein oder andere kennt ihn, denn er ist eine absolute Berühmtheit. Peter Lindbergh. Man sagt zwar von ihm, dass er “die Models gemacht” habe … Aber ich sehe das ein klein wenig anders. In meinen Augen hat er es geschafft, professionelle Models vom modeln abzuhalten. DAS ist eine krasse Leistung! Das ist soooooo verdammt schwer! Ich habe tiefsten Respekt vor ihm! Leider ist er 2019 verstorben. 🙁

Der Prozess hinter der Fine-Art Fotografie

Die Zeit

Der wohl wichtigste Punkt im ganzen Prozess ist für mich die Zeit. Gute Fotos kreiere ich eben nicht auf Knopfdruck, wie am Fließband und schon gar nicht, wenn ich mich selbst zeitlich unter Druck setze.

Nein, das Fotoshooting an sich ist vielmehr ein Prozess, innerhalb dessen ich mich zum Endergebnis hinarbeite. Ich weiß, dass ich 30 gute Fotos liefern kann. Ich weiß aber auch, dass ich dann mindestens 200 bis 500 fotografieren muss und das mit so viel Zeit wie möglich.

Je mehr Zeitdruck, umso mehr Selbstinszenierung.
Je weniger Zeitdruck, desto weniger Selbstinszenierung.
Zielsetzung? Entspannung!

Natalie Garbotz

Das ist übrigens auch ein Grund, warum ich bei meinen künstlerischen Shootings eine projektbasierte Abrechnung nutze und keine Abrechnung auf Zeit. Die Abrechnung auf Zeit macht einfach keinen Sinn.

Meine Idee

Fine-Art Fotografie beginnt im Kopf. Genau deswegen nutze ich Vorabgespräche, um sich bestmöglich kennenzulernen. Und genau darum freue ich mich auch, wenn diese Vorabgespräche per Video-Telefonat stattfinden. Denn aus diesen Gesprächen schöpfe ich meine Ideen.

Ich fotografiere nicht einfach wild drauf los und nehme jedes Motiv, dass mir halt grad so vor die Linse springt. Das wäre ja dann wieder abfotografieren. Ist doch ein Fine-Art-Foto dabei rausgekommen, dann ist es eher ein Glückstreffer. Und klar, du kannst dem Glück gerne hinterherjagen. Vermutlich wird man dann auch sehr schnell besser darin, das Glück immer wieder zu treffen.

Ich bin jedoch überzeugt davon, dass einem Fine-Art-Shooting ein grober Plan, eine grobe Idee oder ein Fotokonzept vorausgehen sollte. Denn ich will hinterher nicht erleben müssen, dass ich zufällig und aus Unwissenheit habe ruhige Menschen über die Wiese tanzen lassen und sie somit zu etwas genötigt habe, dass sie normal niemals tun würden.

Gute Bilder entstehen, wenn ich vorab in mir selbst versinke und erspüre, was genau mich daran jetzt interessiert und mich so intensiv wie möglich damit auseinandersetze. Und dann komme ich mit einer Idee wieder. Komme ich ohne Idee wieder, gehe ich nicht über Los, sondern starte von vorne. 😉 Es muss vorab eine echte Auseinandersetzung mit der zu fotografierenden Person oder dem Thema von meiner Seite aus vorangehen – nur so kann ich liefern.

Die Bildbearbeitung

Ich liebe die digitale Dunkelkammer! Ich liebe Bildbearbeitung! Bildbearbeitung bedeutet bei mir jetzt nicht, dass ich krasse Effekte mit Gewalt über oder auf mein Bild “draufhaue”. Bildbearbeitung passiert bei mir insbesondere in der Form, dass ich meine RAW Datei (also mein Rohmaterial) auf meine Bedürfnisse anpasse. Ich nehme meist hier schon die Farbe raus und passe insbesondere die Lichter und Tiefen sowie Schwarz und Weiß an. Wenn nötig auch die Belichtung und die Farbtemperatur. Denn ja, auch die Farbtemperatur hat Einfluss auf die Schwarz-Weiß-Entwicklung. 😉

In späteren Schritten kümmere ich mich dann ggf. um Dinge wie Gradation oder Tonwerte. Um es kurz zu machen: Bildbearbeitung bedeutet für mich konkrete Bildverbesserung. Und eben nicht, es komplett mit Effekten zu überlagern. Wenn ich das tue, dann steht dahinter auch eine konkrete Idee.

Durchaus denkbar ist auch eine manuelle Bildbearbeitung des fertigen Drucks. Hier ist viel Freude am Experimentieren gefragt und auch ausreichend gedrucktes Material, um so lange experimentieren zu können, bis es wirklich passt.

Die Präsentation

Last but not least: Die Präsentation ist mein Liebling. Keine Präsentation ohne hübsch hergerichtetes Präsentationsstudio. Ich liebe es, wenn ich die Bilder vor der Präsentation in Passepartouts stecken kann. <3 Inzwischen kann ich sie auch hübsch aufreihen, an meiner neuen Präsentationswand. 🙂

Die Präsentation ist für mich grundsätzlich das Beste und auch ein wichtiger Punkt. Denn: Ich fotografiere nicht fürs stille Kämmerlein. Ich möchte meinen Kunden natürlich die besten Ergebnisse zeigen. Und auch wenn andere Fine-Art Projekte anstehen (wie aktuell meine Blogparade #mütend), will ich diese nachhaltig sichtbar machen.

Klingt logisch, oder? Nun, ich habe mich bisher immer gescheut, meine Fotos aus Projekten öffentlich zu zeigen. Denn Fine-Art ist auch für mich als Fotografin deutlich anspruchsvoller als die allgemein bekannte Fotografie von der Stange, die häufig bei Fotostudio-Ketten anzutreffen ist. Und das triggert mich natürlich. Wie oft habe ich mir gesagt, ich sei nicht gut genug? Fast immer hab ich mir das gesagt. Die Kunst ist hierbei aber, sich bewusst zu machen, was das gerade ist. 😉 Selbstsabotage. Impostor Syndrom!

Und weil da, wo die Angst liegt, meistens auch die besten Ideen und Ergebnisse sind, solltest du dich überwinden. Jawohl! Das einzig Wichtige ist, dass ich als Fotografin besonderen Wert auf Qualität lege. Hier sollte wirklich niemand Pfusch betreiben, das macht dieses schöne Fine-Art-Feeling völlig kaputt. Das gilt für den Print als solches und natürlich für alle damit in Zusammenhang stehenden Dinge. Zum Beispiel die Hänge-Vorrichtung, die Art der Hängung oder auch die Passepartouts, Bilderrahmen, die Präsentationswand. Alles, was mit der Präsentation der Prints in Zusammenhang stehen könnte.

Hast du ein Gefühl für Fine-Art Fotografie bekommen?

Hast du ein Gefühl dafür bekommen, was Fine-Art Fotografie bedeutet? Wie sie zu verstehen ist?

Lass uns gerne in den Kommentaren austauschen!

Fotografin Natalie Garbotz

Nicht vergessen: Starke Mamas gehen miteinander.
#starkemamas #lebeninbildern

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    Natalie Garbotz ist Gründerin von Starke Mamas. Als Mama eines fast 5jährigen Sohnes kennt sie die Tücken des Mama seins im Alltag. Daher berichtet sie hier im Blog genau darüber: Ihre Alltagserfahrungen als selbstständige Mama.

     

    Natalie arbeitet als Fotografin und ist Expertin für Fotografie, Bildsprache und Selbstporträts. Ihre Erfahrungen in Sachen Fotografie, Bildsprache, Farbe, Branding und Marketing verbloggt Sie daher praxisorientiert und mit viel Spaß.

     

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