Was ist Foto-Storytelling?

Oma und ihr kleiner Enkel sitzen in einem lichten Wald auf dem Boden. Der Boden ist bedeckt mit Herbstlaub. Die beiden spielen mit dem Laub in dem sie es durch die Luft werfen.

Hey, starke Mama!

In meinem letzten Artikel habe ich über Fine-Art Fotografie geschrieben und erklärt, was ich darunter verstehe. 

Eine Kernaussage des Artikels war es, dass Fine-Art das Ziel hat DICH als die Person darzustellen die du bist. Es ist MEIN Job, dich so zu zeigen, wie ich dich sehe. Es geht also nicht darum, dich so zu zeigen, wie du dich selbst siehst sondern so, wie ich dich sehe. 

Die zweite Kernaussage die ich getroffen habe war die, dass es darum geht, den oder die Betrachter des Bildes zu berühren und ein Gefühl zu vermitteln. Der Betrachter soll eingeladen werden mit den Augen länger zu verweilen und das, was da ist näher zu betrachten. Tiefer einzusteigen. 

Und genau hier beginnt Foto-Storytelling. Fine-Art Fotografie und Foto-Storytelling gehen Hand in Hand. Sie sind eng miteinander verwoben. Ohne Geschichte kein interessantes, sehenswertes Bild. So einfach ist das. 

Was macht gutes Foto-Storytelling aus?

Struktur

Ganz grundlegend wissen wir alle, was Geschichten sind. Denn wir bekommen sie ja tagtäglich erzählt. Von Freunden, Bekannten, beim Small Talk oder auf Social Media. 

Für mich persönlich muss eine Geschichte – wie in der Schule mal gelernt – eine Einleitung, einen Hauptteil und einen Schluss haben. Ich halte auch im fotografischen Rahmen sowas wie Struktur für wichtig, sonst kann ich mich schon mal verirren.

Am Ende einer guten Geschichte lerne ich meistens etwas, habe eine Erkenntnis oder finde eine Antwort auf eine Frage, die sich mir am Anfang gestellt hat. Wäre ich Geburtsfotografin, dann steht am Ende aller meiner Geschichten das Neugeborene und seine überglücklichen Eltern. So gehen Geburten nun mal in weiten Teilen aus und das ist gut so. 😉

Thema

Jede Geschichte hat sein eigenes Thema. Je stärker das Thema umso fesselnder die Geschichte. Das Thema lässt sich meistens in wenigen Worten zusammenfassen. Fotografiere ich beispielsweise eine Schwangere, dann erzähle ich nahezu immer die Geschichte einer Göttin, die leben zur Welt bringen wird. Ich erzähle die Geschichte von Schwangerschaft und Geburt generell. Ich kann aber beim selben Thema auch tiefer einsteigen und die individuelle Geschichte einer Schwangeren erzählen. Mit allen Hochs und Tiefs, die eine Schwangerschaft mit sich bringen kann. 

Das Thema ist etwas, dass ich mit einem übergeordneten Blick erzählen kann. Es kann aber auch das individuelle Thema einer Person sein, dass ich aufgreifen kann. Je persönlicher die Themen sind, umso tiefer können Betrachter einsinken. Das ist aber nur mein subjektives Bauchgefühl. 

Stimmung

Ist eine logische Sache. Das drumherum muss zur Geschichte passen. Ich kann keine traurige Geschichte erzählen wollen und dann eine fröhliche Atmosphäre dafür schaffen. Das wäre widersprüchlich. Es geht vielmehr darum, über die Stimmung eines Bildes das zugehörige Gefühl beim Betrachter auszulösen. Geht es beispielsweise um Tod, dann wird oftmals automatisch eine bedrückte Stimmung und Stille sowie Trauer transportiert. Und genau das ist es ja letzten Endes, was ich mit einem Bild erreichen möchte. Und es macht zusätzlich die Geschichte als solches glaubwürdig.

Einfachheit

Gute Geschichten sind meistens klar und einfach gehalten. Aber in keinem Fall machen sie am Ende alles noch komplizierter, als es sowieso schon ist. 

Der am häufigsten gemachte Fehler in der grundsätzlichen Kommunikation, ist die Tatsache, dass zu viele Botschaften und Aussagen gleichzeitig gemacht werden. Gerade auf Social Media ist das sehr häufig zu beobachten und war für mich auch der Anlass für meine #mütend Blogparade. 😉 Nur als kleiner Reminder am Rande. 

Darum nochmal ganz einfach eine Anleitung für gutes Foto-Storytelling. Du brauchst:

  1. Thema
  2. Ort, Zeit, Licht (Stimmung)
  3. Person/en
  4. Ereignis (Dramaturgie)

Storytelling in der Fotografie

Bei Hochzeitsfotografen oder auch allgemein in der Dokumentationsfotografie hat man diese Dinge bereits alle in der Hand. Ich kann einen Familienalltag dokumentieren. Aber auch das Sterben. Die Geburt. Eine Schwangerschaft. Die ersten Stunden nach der Geburt. Den Krankenhausaufenthalt oder ein spezifisches Ereignis im öffentlichen Leben und Veranstaltungen. Der Rahmen in dem dokumentiert werden kann ist unfassbar riesig! Und immer wahnsinnig interessant, weil die Geschichten dazu so unterschiedlich sind. 🙂 Das heißt: Bei einer Dokumentation passiert Foto-Storytelling auf natürliche Art und Weise und muss nicht erzwungen werden.

In der klassischen Porträtfotografie ist die Grundvoraussetzung für Foto-Storytelling mein aufrichtiges Interesse an der Person vor mir. An deren Geschichten, Lebenslinien. An ihren Höhen und Tiefen. Aber auch an ihren Erfahrungen und Erkenntnissen. Wie bist du zu der Person geworden, die du bist? Was sind deine Stärken? Womit haderst du? Welche Schicksalsschläge zeichnen dich?

Foto-Storytelling in der Businessfotografie ist grundsätzlich gleich. Doch hier entscheidet die Marke bzw. die Markenkommunikation wie die Stimmung sein soll, welche Themen zur Sprache kommen. Und gerade bei großen Marken wird mit Models und Darstellern gearbeitet, die die Geschichte so erzählen, dass es für die Marke passt. Bist du dagegen eine Personal Brand, dann erzählst du durchaus auch persönliche Geschichten. Hier komme ich dann wieder zum Einsatz. Denn ich liebe Menschen und ihre persönlichen Geschichten! Das liegt mir weitaus mehr, als einer Marke ohne Gesicht ein passendes Gesicht zu erfinden. 

Foto-Storytelling in der Praxis

Es gibt grundsätzlich 2 Möglichkeiten. Zum einen kannst du bereits in einem einzigen Bild tolle Geschichten erzählen, also Foto-Storytelling anwenden. Vor allem diese Art von Geschichten, die den Betrachter zum nachdenken anregen sollen oder die Fantasie beflügeln sollen. 

Das passiert übrigens oft, wenn die fotografierte Person nicht in die Kamera schaut. Oder die Umgebung zwar ersichtlich ist, aber unklar ist, was genau passiert. Das heißt, der Bildausschnitt zeigt zwar genug Umgebung um zu erkennen, was da ist. Aber gleichzeitig ist es zu wenig Umgebung um die Situation einordnen zu können. 

Möglichkeit zwei nutzt mehrere Bilder um eine Geschichte zu erzählen. Es wird also eine klassische Fotoserie fotografiert. Eine Serie bietet auch viel mehr künstlerische Freiheit. Ich liebe es innerhalb meiner Shootings viele unterschiedliche Motive, Bildschnitte und Perspektiven auszunutzen um tolle Bilder zu bekommen. Auch das kann eine gute Geschichte ausmachen. Oder aber man erstellt die Serie mit unterschiedlichen Personen und nutzt dafür immer dieselbe Szenerie, dieselbe Perspektive, denselben Ausschnitt. Auch eine Möglichkeit! 

Welches Stilmittel nun genau gewählt wird, hängt vom Thema ab, vom Projekt und vom hoffentlich vorab erstellten Fotokonzept. 😉

Foto-Storytelling in Bildern

In der Ausbildung hat man mir eine Art Anleitung für Foto-Storytelling innerhalb von Dokumentationen mitgegeben. Mir wurde grob gesagt, wie ich was fotografieren soll. Durch die Struktur und Reihenfolge wird deutlicher, was da gerade in meiner Dokumentation, also in meiner Geschichte, passiert. 

  1. Einstiegsbilder
    Hier geht es darum eine Szene im Gesamten zu erfassen. Was wird gemacht, welches Ziel gibt es oder welche Wünsche?
  2. Übergänge
    Hier geht es meistens um Fortschritt, Flexibilität oder Bewegung. Oder auch Reise. Je nach Thema der Serie.
  3. Detail-Aufnahmen
    Haben zwar mit der Haupthandlung zu tun, gehört aber nicht direkt dazu. Ich nutze das immer um entweder Spannung zu erzeugen, Gefahren zu zeigen, Momente währenddessen festzuhalten. Es geht darum ein Gefühl für die Gesamtgeschichte zu erzeugen.
  4. Ende
    Hier gehts um die Belohnung, sozusagen. Wie geht das alles aus? Gibt es eine Auflösung? Bei einer Hochzeit kann das durchaus die mit Luftballons befüllte Wohnung bzw. Haus sein. 😀 

Jetzt haben wir uns die Theorie einmal im Überblick angeschaut. Damit du ein Gefühl dafür bekommst, was ich meine und worum es geht, hier ein praktisches Beispiel von Foto-Storytelling. Dieses Mal ausnahmsweise in Farbe – denn für diese Geschichte gibt es tatsächlich ein Farbkonzept. 😉

EINSTIEG FOTO-STORY

Foto-Storytelling: Einstiegsbild auf den Treppen der Eremitage Bayreuth. Im Hintergrund sind herbstliche Bäume zu sehen, die von der Sonne beschienen werden.
Foto-Storytelling: Einstiegsbild auf den Treppen der Eremitage Bayreuth. Im Hintergrund sind blau-beige Mosaik-Säulen zu sehen sowie der lange weiße Gang.

ÜBERGANG IN DER FOTO-STORY

Das Übergangsbild. Ein kleiner Junge geht über die Wiese mit viel Laub und winkt in die Kamera. Schräg links hinter dem Jungen geht die Oma.

DETAILS DER FOTO-STORY

Foto-Storytelling: Das erste Detail-Foto zeigt den Jungen auf der Wiese liegend und mit dem Laub spielend.
Das zweite Detail-Foto zeigt den Jungen auf dem Rücken liegend in der Wiese.
Das dritte Detail-Foto zeigt den Jungen auf zehenspitzen stehend. Er ist auf der Wiese und steht nach vorne gebeugt um ein Herbstblatt aufzuheben.

ENDE / BELOHNUNG DES FOTO-STORYTELLING

Die Belohnung / Das Ende für den Jungen ist es, von Oma auf den Arm genommen zu werden und das gemeinsame feixen. Hier sogar mit Winken des Jungen.
Das Ende der Foto-Geschichte. Oma und Junge haben sichtlich Spaß.

Foto-Storytelling in Einzelbildern

Foto-Storytelling geht natürlich auch in einem einzelnen Bild. Das habe ich ja bereits oben beschrieben. Daher hier nochmal zwei Beispiele.

Und jetzt das Ganze noch in Bildform, damit du dir vorstellen kannst, was bei einem Shooting für Geschichten entstehen können. 😉

Foto-Storytelling im Einzelbild: Hier erkundet der Junge einen mit Blättern nahezu abgedeckten Teich. Damit der am Rand nicht herunterfällt, wird er von Oma gehalten, die neben ihm kniet. Der Junge zeigt interessiert auf etwas im Teich.

Was genau schauen sie sich hier wohl an?

Foto-Storytelling im Einzelbild. Hier sitzt der Junge auf einem Handlauf einer Brücke. Seine Oma steht hinter ihm und hält ihn fest, während er mit den Händen nach vorne zeigt.

Was fällt da nur herab? Oder sind das fliegende Tiere?

Foto-Storytelling im Einzelbild. Hier hilft die Oma dabei, dem Jungen das nach oben Klettern an einer Steinwand zu ermöglichen.

Ob das wohl gut geht?

Weitere Bildbeispiele im Einzelbild sowie in Serie findest du auch innerhalb meiner Blogparade #mütend. Du bist herzlich dazu eingeladen es dir anzuschauen.

Beispiele anderer findest du bei Mike Larson, der in der Hochzeitsfotografie unterwegs ist. Weitere Beispiele für Storytelling aus dem Bereich Selbstportraits findest du bei Brooke Shaden.

Und jetzt du!

War dir bisher bewusst, dass du mit jedem Foto und mit jedem Social Posting eine Geschichte erzählst?

Kleine Bonusaufgabe:
Schau dir mal deinen Instagram-Feed an und versuche dir die kleinen und großen Geschichten aufzuschreiben, die du so erzählst. Passt dein Text zum Bild? Oder auch umgekehrt: Passt dein Bild zu deinem Text? Wenn ja, dann ist das fein. Wenn nein: Stell dir vor einem Post immer die Frage, ob du das auch im Umfeld von echten Menschen so sagen würdest und ob du dich auch genau so verhalten würdest. 😉

Alles Liebe,

Fotografin Natalie Garbotz

Nicht vergessen: Starke Mamas gehen miteinander!
#starkemamas #lebeninbildern

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Natalie Garbotz ist Gründerin von Starke Mamas. Als Mama eines fast 5jährigen Sohnes kennt sie die Tücken des Mama seins im Alltag. Daher berichtet sie hier im Blog genau darüber: Ihre Alltagserfahrungen als selbstständige Mama.

 

Natalie arbeitet als Fotografin und ist Expertin für Fotografie, Bildsprache und Selbstporträts. Ihre Erfahrungen in Sachen Fotografie, Bildsprache, Farbe, Branding und Marketing verbloggt Sie daher praxisorientiert und mit viel Spaß.

 

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