Die Bewertung von Mamas (Mombashing) nervt.

Die Bewertung von Mamas ist allgegenwärtig. Die meisten Mamas und Mütter kennen ähnliche Situationen: Du bist mit deinem Kind oder deinen Kindern unterwegs. Dabei kommt es zu einer für dich unangenehmen Situation: Es gibt Geschrei, (d)ein Kind will etwas – bekommt es aber nicht und überhaupt: Das Drama ist riesig. Was jetzt recht häufig passiert ist interessant. Die Menschen um dich herum fangen an dich direkt und ungefragt zu belehren und dir zu sagen, was jetzt zu tun ist. Denn offenbar kennen sie dein Kind besser als du. Und dich irgendwie auch. Im Grunde wird alles, was du als Mutter auch tust, unter die Lupe genommen, ständig und vor allem ungefragt bewertet. Völlig egal ob du nun zu Hause bist, eine Teilzeitstelle hast oder sogar Vollzeit arbeitest. Egal ob du eine Haushälterin hast, ein Au-Pair oder eben nix davon. Egal, ob du es wagst morgens die Fertigbrötchen vom Supermarkt, das Brötchen vom Bäcker oder selbstgebackenes Brot in die Botzeit-Box deines Kindes zu packen. Ich garantiere dir eines: Du wirst immer bewertet und mach dich darauf gefasst, du machst es nahezu immer FALSCH. :-)))

Ungefragte Bewertungen treiben mich in den Wahnsinn! Und drum brauch ich Ruhe, Kaffee oder Kakao und Zeit für mich, damit es nicht soweit kommt.

Notiz an mich selbst.

Bewertung, ja bitte!

Es ist schon erstaunlich, wie extrem dieses Verhalten die letzten Jahre geworden ist. Ich weiß nicht, ob ich es mir einbilde – aber in jungen Jahren ist es mir weitaus weniger aufgefallen. Insbesondere gegenüber und auch unter Müttern ist dieses Verhalten sehr auffällig. Ich könnte fast meinen, dass sich buchstäblich die Geister scheiden, wenn es um sowas wie das Bild bzw. der Rolle einer „Mutter“ geht.

Die Bewertung von Dingen geht allerdings viel weiter und noch weit tiefer. Wenn ich so darüber nachdenke, kann ich mich nicht daran erinnern jemals nicht mit Bewertungen anderer konfrontiert worden zu sein. Auch in meiner Kindheit nicht. Es waren immer Menschen da, die mir vorwiegend gesagt haben, was ich schlecht kann, woran ich arbeiten muss und in welchen Punkten ich fürchterlich unzulänglich bin. Immer. Lob, Anerkennung und positives Feedback habe ich mir als ’selten‘ eingeprägt. Und trotzdem waren Bewertungen durch fremde Menschen generell seltener als sie es heute sind. Zumindest macht es diesen (subjektiven) Eindruck auf mich.

Müttern geht es in diesem Punkt ähnlich – nur das die sich unfreiwillig von wildfremden Menschen auf unsinnige Art und Weise bewerten lassen müssen. Und seitdem die Pandemie los ging wurde es sogar noch schlimmer. Ja, ich kann mich sogar an einen Newsletter erinnern, der explizit dazu aufgerufen hat endlich mit dem be-werten zu beginnen und sich zu „wehren“. Wogegen habe ich bis heute nicht verstanden. Damals dachte ich mir nur: „Im Ernst?! Wozu soll das bitte gut sein? Das ändert jetzt auch nichts an der Realität!?“ Und genau da sind wir an einem Punkt, der mir immens wichtig erscheint und den ich aussprechen möchte.

Bewertungen ändern meine Perspektive und nehmen Einfluss auf meine Gefühle

Ich behaupte jetzt einfach mal, dass die meisten natürlichen Ereignisse und Katastrophen auf diesem Erdball einfach nur passieren, weil sie eben passieren. Das Ereignis als solches ist demnach neutral. Derjenige, der diesen Dingen eine Farbe und damit eine Bewertung gibt, bin ich selbst.

Durch meine persönliche Bewertung nehme ich vor allem Einfluss auf mich selbst und nicht auf meine Mitmenschen. Denn: Bewerte ich es negativ geht es mir selbst womöglich schlecht. Und bewerte ich es positiv, geht es mir womöglich besser als vorher. Den Drang, diese Bewertungen ständig und überall anbringen zu wollen / müssen und sich selbst dabei auch noch im Recht zu fühlen: Das verstehe ich schlicht nicht.

Im Gegenteil. Mein Bauchgefühl sagt mir sogar eher, dass aus dieser Bewertungsfreude heraus Dinge wie Radikalisierung und Manipulation entstehen können und ich am Ende die „Mitte“ der Gesellschaft und auch meine eigene, persönliche „Mitte“ verlasse. Warum sollte ich das freiwillig tun, wenn ich die Konsequenzen für meine Gesundheit und mein Wohlbefinden kenne? Welchen Wert hat das für Einzelpersonen? Die Illusion von Sicherheit oder vermeintlicher Zugehörigkeit… vielleicht? Der Wunsch nach Veränderung kann es natürlich sein – nur deswegen verschwinden Katastrophen nicht.

Schwierig wird es aber sehr wohl, wenn ich meine persönlichen Perspektiven und Gefühle regelrecht in die Welt brülle, mit dem bewussten Ziel andere Menschen so zu manipulieren, dass sie das denken und sagen was ich will. Klar hat meine Meinung und Perspektive einen Einfluss auf meine Mitmenschen – aber warum muss ich das dann gleich missbrauchen? Warum ist es nicht okay, wenn mein Gegenüber eine andere Meinung hat als ich?

Bewertungen sind oberflächlich

Mir fällt auch auf, dass Bewertungen immer unfassbar schnell gehen. Meistens hat das Gegenüber nicht einmal den Hauch einer Chance sich selbst zu erklären oder ein klärendes Gespräch zu führen. Warum auch?

Ganz ehrlich: Wenn es überhaupt nicht um mich als Person geht oder darum, dass mein Gegenüber mich kennenlernen möchte… warum sollte ich dann zuhören oder solchen Bewertungen und Kommentaren sowas wie Beachtung schenken? In meinen Augen ist das nur eins: Zeitverschwendung.

Bewertungen behindern meiner Meinung nach echten Austausch, echtes persönliches Wachstum, echtes lernen, echtes miteinander. Bewertungen – insbesondere extremere Bewertungen – sind nicht nur irgendwie sinnlos, sondern auch oberflächlich. Denn es findet keine echte Auseinandersetzung mit einer Person oder einem Thema statt. Sie fördern also die Intoleranz statt der Toleranz. Intoleranz war halt schon immer irgendwie unabhängig von Fakten, Zusammenhängen, Tatsachen, Realität und von Schwarz-auf-Weiß. 😉

Negative Bewertungen sind der Blitzableiter für gelangweilte Menschen

Hast du dich einmal in den hiesigen Mama-Gruppen auf Facebook umgesehen? Es ist ein Graus! Nein, viel schlimmer. Es fördert bei mir regelrechtes fremdschämen. Da haben Mamas Fragen. Und weil im Außen niemand ist, mit dem sie darüber sprechen können (oder wollen), fragen sie eben die Internet-Community. Verständlich, aber gefährlich.

Denn es passiert meist folgendes: Die Frage wird für die anderen sichtbar, dann kommen ein paar wenige echte, hilfreiche und normale Antworten – und danach wird auf Teufel komm raus gebasht was das Zeug hält. Oft zutiefst wertend, beleidigend und diskriminierend. Mombashing in allerhöchster Güte! Aber hey, das „bisschen Kritik“ muss man schon aushalten können!

Ich sehe immer häufiger, dass gerade in diesen hiesigen Mama-Gruppen die Funktion „anonym posten“ genutzt wird, weil der Mensch, der das Posting schreibt Angst vor den persönlichen und realen Konsequenzen hat. Und auch hier ist es nicht anders: Je nach Fragestellung wird beleidigt, bewertet und diskriminiert was das Zeug hält. Nur die Option die Person dahinter durch Nachrichten und Co zu belästigen fällt durch anonymes posten weg. Da drängt sich mir also die Frage auf: Was passiert eigentlich hinter den Kulissen, wenn die Funktion des anonymen postens nicht benutzt wird? Ich kann mir das lebhaft ausmalen!

Ich könnte fast den Eindruck bekommen, dass ganz bestimmte Personen den ganzen Tag nichts anderes zu tun hätten, als ihre Mitmenschen verbal abzuschlachten. Und nein, ich kann mir nicht vorstellen, dass so ein Verhalten für emotionale Befriedigung sorgt…. außer man reitet mal wieder sein persönliches Narzissmus-Pferdchen und braucht irgendeinen Blitzableiter. Ui!

Das Verhalten des Kindes ist der Leistungs-Maßstab für Mütter?

Auch eine Sache die enorm nervtötend ist, ist die Tatsache das das Verhalten meines Kindes offenbar Aufschluss darüber gibt ob ich nun eine gute Mutter oder eine Rabenmutter bin. Und vielleicht gibt es sogar einzelne Fälle oder auch Dinge in denen dieser Rückschluss ganz vielleicht möglich sein könnte! Aber trifft das jetzt wirklich auf alle zu?? Ganz klar: Nein.

Unterm Strich zeigt es für mich nur eines: Selbst Kleinkinder werden schon massiv bewertet und diese Bewertungen führen schnell in Co-Abhängigkeiten. Da werden Kinder hordenweise miteinander verglichen und herausgepickt, welche Stärken und welche Schwächen denn da sind und welche Schwächen zu korrigieren sind. Und ja, ich spreche bewusst von Schwächen und nicht von echten Defiziten!

Hat mal jemand gefragt, was das Kind möchte, woran es Spaß hat und welche Dinge es gerne tut? Nimmt sich heute noch jemand Zeit sein Kind einfach mal wortlos zu beobachten? Das das grundlegende Naturell eines Kindes (introvertiert oder extrovertiert) weder gut noch schlecht ist (und vermutlich auch nicht veränderbar ist)? Kinder heißen nun mal nicht „Werde so wie Mama und Papa das wollen!“ oder „Roboter“ und werden nach Katalogbestellung per Paket angeliefert. Und ich hoffe ja schwer, dass das noch sehr lange so bleiben wird.

Bewertungen dieser Art halte ich in vielen Dingen auch deshalb für unsinnig, weil nicht nur im wirtschaftlichen Bereich sondern auch unsere Gesellschaft insgesamt alle Talente braucht und entsprechend würdigen sollte. Jeder einzelne kann eben etwas anderes gut bis herausragend und genau das sollte nicht nur anerkannt sondern befürwortet werden. Niemand muss so sein, wie andere sich das vorstellen. Und Kinder auch nicht!

Muttertag: Die Bewertung der Mutterrolle in Reinform

Ich will mich ja nicht beschweren: Der Muttertag hatte einen schweren Start der vermutlich aus den falschen Beweggründen getan wurde. Doch genau darum habe ich mich für eine Blogparade zum Muttertag entschieden. Die Diskussionen, die jedes Jahr aufs Neue angestachelt werden und auch immer wieder aufkommen zeigen auch jedes Jahr das Selbe: Die Mutterrolle befindet sich nicht einfach nur im Wandel – sie soll neu bewertet werden.

Das Problem daran? Eine Bewertung ist überflüssig, denn alle Menschen leben ihr Leben nun mal so gut wie sie es können und wollen. Sicher: Es braucht ein faires System und es braucht faire Grundlagen insgesamt. Was es aber sicher nicht braucht, ist die kategorische Aufteilung in „Gut“ und „Böse“.

Die immer wieder neu aufkommenden Diskussionen, ob es Mütter denn jetzt ganz im Ernst verdient hätten einen Feiertag zu bekommen, ist schon erstaunlich. Zu Vatertag wird das übrigens nie so wirklich diskutiert – naja, vielleicht haben sich diejenigen, die ihn feiern auch schon längst ihr Hirn weggesoffen – wer weiß das schon? 😉 Ich bin jedenfalls Team: „Gleiches Recht für alle“.

Was andere Menschen genau feiern, ist für mich irrelevant und oben drauf kann, darf und soll sich jeder bitte selbst entscheiden was gefeiert wird und wie gefeiert wird. Wenn Mutter- und Vatertag für dich keine Optionen sind, dann gibt es ja als Ausweichmanöver immer noch den Tag der Eltern, Internationalen Frauentag und viele andere Tage, die du feiern kannst – wenn du das willst. Und wenn nicht, dann halt nicht!

Was kannst du tun, wenn dir die Bewertungen zu viel werden?

Ich habe da meine persönlichen Vorschläge für dich:

  • Mitmenschen nicht beachten bzw. ihre Sprüche ohne Reaktion stehen lassen
  • Antworte mit Dialekt oder mit einer Fantasiesprache, wenn du kannst
  • Demonstrativ Ohropax nutzen oder Musik hören
  • Dir gute Fragen für einen Konter einfallen lassen
  • Bestimmte Mitmenschen von vornherein meiden, sofern möglich
  • Feed Eradicator nutzen
  • Bestimmte Mitmenschen als Freunde entfernen, deabonnieren, blockieren
  • TV und Smartphone ausschalten
  • Telefon / Smartphone stumm schalten, inkl. Vibration abschalten

Fazit

Ich lasse mich äußerst ungern bewerten – verzichte dafür meist auch auf Vergleiche mit anderen Menschen. Ich mochte das noch nie und für mich ist nicht nachvollziehbar, warum ich das überhaupt tun sollte. Ich sehe aber durchaus ein, dass viele Menschen nach wie vor dazu erzogen werden und denken, dass das alles völlig normal sei. Egal wie absurd so manches daher kommt. Egal welche Beleidigungen und Diskriminierungen als normale „Kritik“ heruntergespielt werden. An sich ist es schade, denn echtes ‚Miteinander‘ funktioniert nicht so.

Für ein gesünderes miteinander halte ich es für notwendig seine eigenen Bewertungen zu hinterfragen und zu lernen seine Impulse zu kontrollieren.

Letzten Endes ist es eine Belastung, sich einem Dauerfeuer aus negativ-Bewertungen auszusetzen. Ich würde auch anonym posten! Oft genug scheint es unvermeidbar. Wenn es aber vermieden werden kann, dann … mache ich das auch. Ich ignoriere bewusst Kommentare, nutze online Dinge wie den Feed Eradicator und bei verbalen Belästigungen setz ich mir einfach meine Ohropax ein. Die Welt schalte ich also aus und dafür mein Innenleben AN. Und das empfehle ich dir auch.

Du hast Spaß daran, andere Leute schlecht zu machen weil du dich dann besser fühlst?

Such dir ein anderes Hobby!

Fotografin Natalie Garbotz
4 Kommentare
Kommentar schreiben...

Deine eMailadresse niemals veröffentlichen oder teilen. Erforderliche Felder sind markiert *

  • Zusammenfassung der Blogparade 2022 » Starke Mamas1. Juni 2022 - 17:04

    […] Den vollständigen Artikel liest du hier: Die Bewertung von Mamas (Mombashing) nervt. […]AntwortenAbbrechen

  • Jasmin31. Mai 2022 - 22:50

    Hi, 
    ich habe ebenso an der Blogparade Hey starke Mama teilgenommen und bin dadurch auf deinen Beitrag gestoßen. Verurteilungen und Bewertungen unter Mamas sind das schlimmste… auf jeden Fall tun das viele Mütter, um sich gegenüber anderen besser darzustellen, sich überlegen zu fühlen etc. – weghören, ist genau das Richtige 🙂

    LG Jasmin von https://frauentalk.net/AntwortenAbbrechen

    • Natalie1. Juni 2022 - 9:14

      Hallo Jasmin, ich danke dir für deinen lieben Kommentar!
      Und ja, da hast du definitiv recht mit dem „nicht hinhören“.
      Dein Beitrag zur Blogparade… war der zur Muttertät, vermute ich?

      Vielen Dank und liebe Grüße!
      NatalieAntwortenAbbrechen

      • Jasmin11. August 2022 - 18:25

        Hi Natalie, genau der Muttertät Artikel war ich 🙂 LGAntwortenAbbrechen

Natalie Garbotz ist Gründerin von Starke Mamas. Als Mama eines 5 jährigen Sohnes kennt sie die Tücken des Mama seins im Alltag. Im Blog schreibt genau darüber: Ihre Alltagserfahrungen als selbstständige Mama.

 

Natalie arbeitet als Social Media Managerin & Fotografin. Sie ist Expertin für Fotografie, Bildsprache und Selbstporträts. Ihre Erfahrungen in Sachen Fotografie, Bildsprache, Farbe, Branding und Marketing verbloggt Sie daher praxisorientiert und mit viel Spaß.