Die Fotografin: 6 Mythen über meinen Beruf

Durch Gespräche mit Kunden und meinen Mitmenschen höre ich immer wieder lustige und bemerkenswerte Meinungen. Was einige über mich als Fotografin denken, ist besonders lustig. Zumindest in meinen Augen. Ich nenne diese Denkweisen gerne “Mythen”, weil sie wenig mit meiner tatsächlichen Realität als Fotografin zu tun haben.

Darum möchte ich einen Artikel diesen netten Mythen widmen und dich auch mal konkret fragen: Welche dieser Denkweisen kennst du vielleicht an dir selbst?

Fotografin Natalie Garbotz in ihrem Fotostudio in Hummeltal - Bayreuth.

Foto von: Bayrischer Handwerkstag e.V. und mit freundlicher Genehmigung von kraftbild.de / Goran Gajanin

Mythos 1: Eine Fotografin muss großes und neues Equipment zum fotografieren haben.

Nein, das ist falsch. Mein Ausbilder sagte mir zu Beginn meiner Ausbildung: “Sie brauchen keine große, teure Kamera. Sehen tun sie schließlich mit ihren Augen. Sie müssen zuerst sehen lernen. Welches Equipment sie zum sehen verwenden ist egal!” Und genau deswegen gibt es auch Profis, die nur mit Smartphones fotografieren und filmen. Weil es geht und die Qulitäten inzwischen reichen. Und weil sie einfach nur sehen müssen! Sehen ist das, was gelehrt wird und die Technik läuft einfach mit.

Mythos 2: Als Fotografin hat man einen einfachen Job. Sie müssen nur den Auslöser drücken.

Gegenfrage: Ist das wirklich so? Ich stehe also den ganzen nur rum und drücke willkürlich auf einen Auslöser?

Nein, natürlich ist das nicht so. Wie in allen anderen Jobs, die es aktuell so gibt, muss ich als Fotografin deutlich mehr als das machen. Vor einem Fotoshooting gibt es Gespräche mit meinen Kundinnen, damit alles so wird, wie sie es sich wünschen. Diese Gespräche bilden die Basis für die Fotoshootings. Für gute Fotos schmeißt sich Frau Fotografin auch mal in den Dreck – und zwar unabhängig davon ob sie gerade ein Abendkleid trägt oder Jeans. Das finden von Geschichten, Situationen und Perspektiven braucht Zeit und vieles davon kann ich nur direkt vor Ort tun. Das heißt, ich muss auch mein Umfeld, das Licht und die Gesamtsituation im Auge behalten. Wenn ich meine Chance sehe, drücke ich auf den Auslöser, dirigiere oder renne von A nach B, weil die Perspektive oder das Licht schöner ist und ich schnell sein muss um die Situation nicht zu verpassen. Ganz zu schweigen von Bildbearbeitung, Bildpräsentation und Selbstvermarktung.

Mythos 3: Für gute Fotos braucht eine Fotografin immer ein großes Fotostudio.

Als Fotografin habe ich klein angefangen. In meiner Ausbildung gab es zwar ein Fotostudio, welches zur Verfügung stand. Aber mein Ausbildungsort war gute 45km entfernt. Also machte ich aus meiner Not eine Tugend. Ich fotografierte meist draußen oder in unserer Wohnung. Die präparierte ich mittels Möbel verschieben, Wände freiräumen und so weiter. Und ich weiß, ich bin damit nicht alleine. Viele Fotografen und Fotografinnen fangen so an. Auch mein aktuelles Fotostudio hat gerade mal 20qm. Weil es mehr nicht braucht.

Mythos 4: Eine Fotografin fotografiert nur wegen ihrer Kamera gut.

Joah. Der Klassiker und das Gegenteil von Mythos 1. “Mit DER Kamera könnte ich das auch!” ist ein gängiger Spruch. Ich möchte hier kurz darauf hinweisen, dass das einfach nicht wahr ist. 😉 Sicherlich, DIE Kamera kann bestimmt jeder bedienen lernen. Aber bereits oben sagte ich, dass es auf das Equipment nicht zwangsläufig ankommt, sondern darauf, dass ICH als Fotografin bewusst SEHEN KANN. Und wenn ich schreibe “bewusst sehen” meine ich genau: Die Gesamtsituation, die Menschen vor meiner Kamera, ihre Persönlichkeit und deren natürliche Körpersprache, das Licht.

Mythos 5: Das Leben einer Fotografin ist glamourös, wegen der vielen Prominenten die sie fotografiert.

Ja, schön wärs. Ist nur nicht so. Als Fotografin fotografierst du nicht den ganzen Tag Prominente. Wenn du das den ganzen Tag tust, dann bist du entweder extrem privilegiert oder auf Prominente spezialisiert. Der große Teil schmeißt sie so wie ich auch mal in den Dreck, lebt ein völlig normales Leben (mit kleinen und mittleren Abweichungen), vergräbt sich auch noch häufig in Bildbänden und betrinkt sich mit Kaffee oder Tee. Und nein, wir leben auch nicht in irgendwelchen Bonzenvillen in Münchens teuerstem Viertel! Und nein, auch das Leben von Annie Leibovitz ist trotz der vielen Prominenten nicht so glamourös wie du dir das ausmalst.

Mythos 6: Eine Fotografin kommt nie ohne Kamera.

Ich habe es wirklich oft erlebt. Es ist der breite Standard. Ich wurde sehr häufig nur zu Partys und Veranstaltungen aller Art eingeladen, weil ich eine Kamera hatte. Meine Fotos waren die Eintrittskarte. Es ist, als würden 80% der Bevölkerung ungefragt davon ausgehen, dass du deine Kamera selbst unter die Dusche mitnimmst und total natürlich die komplette Hochzeit dokumentierst, weil du eingeladen bist. Und ja, das macht auch die direkte Verwandtschaft so. Wenn die Natalie zur Hochzeit kommt, dann kann sie sie auch fotografieren. Denn das Essen ist ja schließlich teuer genug, nicht wahr? Was man selbst davon hält, ist eher… nicht so wichtig. Hauptsache, du hast die Kamera dabei.

Fakt ist: Meine Kamera habe ich bei Partys und privaten Festen grundsätzlich NICHT dabei. Schon aus Protest, denn schließlich will ich meinen Aufenthalt genießen. Arbeiten muss ich nicht auch noch in meiner Freizeit.

Mein persönliches Fazit

Du siehst also, so wirklich viel dran ist da nicht. Es ist trotzdem immer wieder lustig, wenn ich solche Einstellungen und Meinungen höre. In der Mehrheit sind sie auch lustig. Und bei allen unlustigen lächle ich freundlich und sage was dazu – sofern man mich konkret danach fragt. 😉

Was denkst du über den Beruf der Fotografin? Lass es mir gerne in den Kommentaren wissen. <3

Fotografin Natalie Garbotz

Nicht vergessen: Starke Mamas gehen miteinander.
#starkemamas #lebeninbildern

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Natalie Garbotz ist Gründerin von Starke Mamas. Als Mama eines fast 5jährigen Sohnes kennt sie die Tücken des Mama seins im Alltag. Daher berichtet sie hier im Blog genau darüber: Ihre Alltagserfahrungen als selbstständige Mama.

 

Natalie arbeitet als Fotografin und ist Expertin für Fotografie, Bildsprache und Selbstporträts. Ihre Erfahrungen in Sachen Fotografie, Bildsprache, Farbe, Branding und Marketing verbloggt Sie daher praxisorientiert und mit viel Spaß.

 

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